Foto-Shooting

Foto-Shooting – das große Missverständnis

271.000 Ergebnisse gibt Google aus, wenn man die Suchmaschine mit dem Begriff Portaitshooting füttert. Auch wenn das Shooting ist in der Fotografie inzwischen zu einem feststehenden Begriff geworden ist – die Sprache verrät doch immer auch etwas über eine dahinter stehende Haltung, und sei es nur unbewusst.

Die Kamera als Waffe

Shooting, also Schießen hat für mich immer den Aspekt des Verletzens. Der andere ist mir ausgeliefert, die Kamera wird im Zusammenhang des Fotografierens zur Waffe. Diese Gedanken sind keineswegs realitätsfremd. Gib einfach mal in Googles Bildersuche die beiden Begriffe „camera“ und „gun“ (Gewehr) ein, dann weißt du, was ich meine! Kamera werden zu Waffen umgebaut und man muß nicht unbedingt nur an Paparazzis denken, wenn man die Bilder sieht.
Der englische Fotograf Bill Jay schrieb 1984 in einem Artikel mit dem Thema „The Photographer as Aggressor“:
„…the most dominant characteristic of the photographer since the 1880s has been his aggression“.

Einen Menschen aufnehmen

Portrait ReinholdWenn ich ein Portrait „aufnehme“, sehe ich darin das Gegenteil der Shooting-Haltung. Aufnehmen heißt für mich: ich nehme zunächst einmal die Persönlichkeit des anderen in mich auf: seine Mimik, seine Haltung, seine Gefühle. Das erfordert viel Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Das erfordert eine nicht wertende Haltung dem anderen gegenüber: Du darfst dich zeigen wie du bist und du bist schön, wie du dich zeigst. Ich will dich mit der Kamera so sehen, wie du bist und sein möchtest.
Erst aus dieser Haltung heraus möchte ich ein Portrait aufnehmen.

Sensibel werden für Sprache

Auch wenn es salonfähig geworden ist, dass wir ständig vom „Wahnsinn“ sprechen: Sprache transportiert für mich immer auch Energien. Wäre doch nicht verkehrt, wenn wir den „Wahn“ weglassen und statt dessen sagen würden „Toll, das macht Sinn“. Und warum müssen wir unbedingt vom Portaitshooting sprechen – wir können doch genauso gut ein Bild „aufnehmen“. Das ist ein sprachlicher Ausdruck dessen, dass wir den anderen in seiner Persönlichkeit ernst nehmen.

Wo das Shooting bei einem Fotografen zur Haltung wird, wird es meines Erachtens bedenklich. Sensibilität und ein feines Gepür auch für nicht ausgesprochene Stimmungen sind Grundpfeiler der Portraitfotografie. Wer genau hinschaut, wird den Unterschied im Ergebnis merken.

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